Göppel für vierte Amtszeit nominiert

Unsere Quellen

Nominierungsrede 17. November 2012


Deutschlands Stärke

Wer heute auf Deutschland schaut, sieht ein Land, in der Welt geachtet und wirtschaftlich stark. Von allen Seiten richten sich Hoffnungen auf Deutschland nach Hilfe und Unterstützung.

Für Deutschlands Stärke werden international vor allem fünf Gründe genannt:

1.    Die Innovationskraft unserer Bevölkerung. Aus Deutschland kommen auf die Einwohner bezogen doppelt so viele Patentanmeldungen wie aus China und Frankreich, viermal so viel wie aus Italien und fünfmal so viel wie aus Großbritannien.

2.    Die föderale Struktur Deutschlands mit selbständigen Bundesländern und starken regionalen Zentren förderte historisch den Mittelstand und ist ebenfalls ein Innovationstreiber.

3.    Deutschland hat die gesamte Wertschöpfungskette von der Urproduktion über das produzierende Gewerbe bis zu den Dienstleistungen in einem ausgewogenen Verhältnis bewahrt. Die realwirtschaftliche Produktionsbasis der Industrie blieb im eigenen Land erhalten. Sie ist heute die Grundlage unserer Exporterfolge. Vor allem das jahrzehntelange besonnene Zugehen der Tarifpartner aufeinander hat die einseitige Ausrichtung auf Finanzmarktgeschäfte wie in Großbritannien vermieden. Reine Finanzgeschäfte bringen nämlich keine echte Wertschöpfung. Was einer gewinnt, verliert ein anderer.

4.    Die Lohnstückkosten erhöhten sich im Euroraum in den letzten 10 Jahren um 22 %, in Deutschland aber nur um 6 %. Deshalb ist es jetzt auch an der Zeit, den Arbeitnehmern mehr Anteil an der Wertschöpfung zu geben.

5.    Schließlich werden als Gründe für Deutschlands Erfolg immer wieder das duale Ausbildungssystem und das solide Handwerk genannt. Nicht ohne Grund überlegt die spanische Regierung, genau dieses System zu übernehmen, um aus der Krise zu kommen.


Die Finanzkrise

Trotzdem haben viele Menschen das Gefühl, das Schiff der deutschen Politik wird an ein Ufer getrieben, zu dem sie gar nicht wollen. Es geht die Angst um, dass die Rettung des Euro unser Land so stark auszehrt, dass die Stärke Deutschlands dahinschwindet und wir uns am Schluss nicht einmal mehr selbst helfen können. Ich teile diese Sorgen und deshalb habe ich mehrfach gegen die Installation der Rettungsschirme gestimmt. Ich sehe aber den Weg zur Rettung anders als viele Kritiker des Euro. Die Staatsschulden aller europäischen Länder stiegen erst nach 2008 massiv an, als überall Banken mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Der außer Kontrolle geratene Finanzmarkt ist die wirkliche Ursache der Krise und der Ausweg aus der Krise kann auch nur darin gefunden werden, dass der Finanzmarkt seine Rettungsschirme künftig selbst finanzieren muss. Dann werden alle vorsichtiger.

Die Finanzkrise 2008 hat gezeigt, dass ein von allen Fesseln befreiter Markt nicht dem Gemeinwohl dient, sondern in den Untergang führt. Ich erinnere mich noch gut an die beschwörende Formulierung von Angela Merkel im September 2008, als sie die Zustimmung der Fraktion zum ersten Bankenrettungsschirm über 500 Mrd. Euro wollte. Sie sagte: „Ich habe in den Abgrund geblickt.“

Bundespräsident Joachim Gauck griff das vor zwei Tagen im Berliner Wirtschaftsforum auf und forderte, dem Finanzsektor endlich die Konsequenzen seines Handels aufzuerlegen. Er sagte, „Banker dürfen nicht in guten Zeiten Boni kassieren und bei Schwierigkeiten die Steuerzahler fordern.“ Zur Wirtschaft gehöre ein Staat, der Regeln setzt.

Erinnern wir uns an das, was Ludwig Erhard 1957 zur sozialen Marktwirtschaft schrieb: „Soziale Marktwirtschaft heißt, dass der Staat der Wirtschaft bestimmte, politisch gewollte Maximen setzt, damit die Entscheidungen der wirtschaftenden Menschen zu dem gewollten Effekt hinführen.“

Der entfesselte Finanzmarkt wurde zu einem Wirtschaften ohne Risiko. Too big to fail – zu groß, um fallen gelassen zu werden, das begründete verantwortungslose Spekulation und die Loslösung der Finanzbranche von der Realwirtschaft, der sie eigentlich doch dienen soll.

In Artikel 151 unserer Bayerischen Verfassung ist das klassisch schön ausgedrückt: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle.“

Wir sind bei der Bändigung der Finanzmärkte noch nicht sehr weit gekommen. Deutschland hat eine Bankenabgabe eingeführt. Deutschland hat die ungedeckten Leerverkäufe verboten, das heißt, man darf nicht mehr Dinge verkaufen, die man gar nicht besitzt und Deutschland wird den Hochfrequenzhandel mit Computern eindämmen. Die Obergrenze wird dann bei 150 Transaktionen in der Sekunde (!) liegen. Spekulative Wetten und der Hochfrequenzhandel sind es, die den Markt instabil machen und deshalb muss hier der zentrale Ansatzpunkt zum Handeln liegen. Wolfgang Schäuble hat es geschafft, die notwendige Mehrheit für die Einführung der Transaktionssteuer im Euroraum zu erringen. Lebensversicherungen werden ausgenommen und gegen Fluchttendenzen führt die EU das Wohnsitzprinzip ein. Wer hier sicher und in hoher Lebensqualität wohnen will, mit besten Schulen für die Kinder und der besten Gesundheitsversorgung, der muss auch seine Geschäfte hier versteuern. Die Umsatzbesteuerung auf Finanzgeschäfte wird Spekulationen dämpfen und vor allem dazu führen, dass der Finanzsektor seine Rettungsschirme künftig selbst finanzieren muss.


Europa ist mehr als Euro

Trotz allem bleibt die Frage, ob Deutschland den rasanten europäischen Einigungsweg weiter mitgehen sollte. Seit der Einführung des Euro ist aus der EU faktisch schon mehr als ein Staatenbund geworden. Das in konservativen Kreisen vielfach beschworene „Europa der Vaterländer“ ist überholt. Ich bin als konservativer Mensch aus voller Überzeugung für den europäischen Weg. Die technologische Entwicklung mit Internet und schnellen Transportmitteln führt zu größeren Wirtschaftsräumen. Wir könnten heute mit der Mark dem Aufwertungsdruck nicht widerstehen. Ein massiver Einbruch unserer Exporte wäre die Folge. Die Gewichte verschieben sich überdies nach Asien. Wussten Sie, dass im Internet nur noch 26 % Englisch, aber bereits 24 % Chinesisch gesprochen wird? Es gibt keine vernünftige Alternative zum Weg der europäischen Einigung. Entscheidend ist, dass die Entwicklung wirklich so verläuft, wie es die Überschrift des europäischen Vertrages verlangt: „In Vielfalt geeint“.

Vergessen wir auch nicht, dass es beim europäischen Gedanken um mehr als Wirtschaft und Währung geht. Der Name der Jungfrau Europa, die auf einem Stier von Kleinasien nach Kreta getragen wurde, hieße in der Sprache der heutigen Zeit „Das offene, das geöffnete Gesicht“, eine Haltung, die wach und mit weitem Horizont die Welt in sich aufnimmt. In dieser Figur findet sich die Verdichtung einer Zeit intensiver Begegnungen zwischen Kleinasien und den griechischen Inseln ab 3000 vor Christus. Unser Alphabet ist ist die bekannteste Frucht dieser Begegnung. Der Haltung des geöffneten Gesichts entspricht der Gedanke der Toleranz und die Entfaltung der Einzelpersönlichkeit. Die offene Zuwendung an das Andere, das Neue, gehört zum Grundmythos unserer Kultur. Aus Zuwendung erwächst Toleranz und Toleranz führt zur Vielfalt, der Vielfalt, die wir in Europa brauchen. Auch das Christentum übernahm später das Wissen einer älteren Kultur und entwickelte es mit dem Gebot der Nächstenliebe weiter. Das politische Ziel der sozialen Gerechtigkeit findet hier sein Fundament. Das sind die Werte, für die es sich lohnt, Europa zu bauen. Vielfalt, Toleranz, soziale Gerechtigkeit.

Das Vordringen religiöser und kapitalistischer Fundamentalisten zielt immer gegen diese drei Werte. Amerikanische Fundamentalisten etwa vertreten ganz offen die Meinung, dass man das Gesegnetsein eines Menschen an seinem materiellen Werten ablesen könne!


Das Leben in der globalisierten Welt

An der Stelle ist ein Blick auf die junge Generation in der Globalisierung nötig. Die Tüchtigen verdienen gutes Geld, aber sie sind einem enormen Mobilitätsdruck ausgesetzt. Frankfurt, Shanghai, Dubai, es ist ein Leben aus dem Koffer und in der Welt der Hotels. Über Jahre hinweg werden Fernbeziehungen zwischen jungen Paaren unterhalten und wenn es dann soweit wäre, scheitern sie oft. Der Mobilitätsdruck erschwert die Familiengründung vieler junger Menschen. Gleichzeitig führt der Weg in den Beruf für ein anderes Drittel aller jungen Menschen immer noch über Praktika und Niedriglohnverträge. Wir müssen als christlich soziale Union ein Auge darauf haben, welchen sozialen Preis unser wirtschaftlicher Erfolg kostet! Wir haben noch keine Balance zwischen dem neuen weltweiten Wirtschaften und den persönlichen Lebenszielen vieler junger Menschen gefunden. Auch hier sind wir als konservative Partei besonders gefordert. Es geht darum, das Bewährte unter neuen Bedingungen nicht untergehen zu lassen. Natürlich ist es für junge Leute schön, weit auszugreifen in die Welt. Aber die Bedingungen müssen so sein, dass sie auch Wurzeln schlagen, Familien gründen, Verankerung finden können. Solche Menschen bringen als Mitarbeiter letztlich auch mehr wirtschaftlichen Erfolg.

Gute Politik muss die Dinge zusammenhängend sehen, verschiedene Ziele in Einklang bringen und den einzelnen Menschen Spielräume für ihre eigene Entscheidung lassen. Das gilt ganz besonders für die Frauen. Ausreichend Krippenplätze gehören heute zum Standard der Daseinsvorsorge. Gerade die ländlichen Räume Bayerns sind hier deutlich besser als viele Großstädte aufgestellt. Der bundesweite Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab August 2013 bezieht sich auf 39 % eines Geburtsjahrgangs. Da ist es nur recht und billig, den übrigen 61 % über das Betreuungsgeld ebenfalls eine Unterstützung bei der Kindererziehung zu geben. Ich halte es nicht für gut, wenn ein Lebensmodell, nämlich der schnelle Wiedereinstieg in den Beruf nach der Geburt eines Kindes, als allein richtig und die Erziehung der Kinder unter drei Jahren daheim durch die Eltern als hinterwäldlerisch, ja sogar wirtschaftlich schädlich abgestempelt wird. Warum das Trommelfeuer gerade an der Stelle? Das Familienbild, in dem Eltern ihre Kinder bis zum Ende des 2. Lebensjahres daheim erziehen, soll ausgetilgt werden. Da ist von Elternführerschein und von Erziehungstests für Großmütter die Rede! Hier zeigt sich klar das grundsätzlich andere Familienbild von SPD, Grünen, Linken und auch der Wirtschaftsverbände. Was der Staat nicht macht, ist verdächtig. Und jetzt braucht man alle Arbeitskräfte. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit waren die Frauen den Wirtschaftsverbänden egal. Die Grundhaltung zur Familie darf aber nicht nach Konjunkturlage wechseln!

Gerechtigkeit muss es auch zwischen den Generationen geben. Ich bin einer der Initiatoren des Antrags, den Rentenanspruch für Mütter mit Kindern vor 1992 endlich anzuheben. Wir werden die Verschiebung dieses Anliegens auf den Sanktnimmerleinstag durch den Koalitionsgipfel Anfang November nicht hinnehmen! Es geht um 56 Euro mehr pro Monat als Anerkennung für die Erziehung eines Kindes. Das zu verweigern rührt an die Grundfesten des Gerechtigkeitsprinzips. Die Frauenunion steht bundesweit nach wie vor geschlossen zu dieser Forderung, der CSU-Parteitag hat so beschlossen. Hier ist unsere Glaubwürdigkeit als Partei berührt.


Die Energiewende

Sozial gerecht und naturverträglich muss das Wirtschaften sein, wenn es dauerhaft erfolgreich bleiben soll. 2013 sind nicht nur Wahlen, sondern weltweit wird auch die 300 Jahre alte Idee des Gedankens der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. 1713 verwendete der sächsische Oberberghauptmann Carlowitz diesen Begriff zum ersten Mal, als er verlangte, nur so viel Holz einzuschlagen, als nachwuchs. Heute wissen wir, dass ohne Nachhaltigkeit kein Wirtschaftsbereich auf Dauer bestehen kann. Bestes Beispiel dafür ist die Nutzung der Atomenergie. Auch wenn es noch nicht in allen Ländern angekommen ist, die Jahrtausende lange tödliche Strahlungsaktivität der radioaktiven Abfälle sprengt jedes menschliche Zeitmaß und lädt vielen kommenden Generationen unverantwortliche Lasten auf. Das ist letztlich der Grund für die deutsche Energiewende. Fukushima war nur der Anlass.

Der Übergang zu einer kohlenstofffreien Energieversorgung ist vergleichbar mit der Einführung der Eisenbahn oder des Autos. Er bringt Härten und Chancen. Zu stoppen ist er aber nicht. Wer auf diesem Weg die Nase vorn hat, gewinnt Arbeit und Wohlstand auf Jahrzehnte.

Die kleinteilige Energieerzeugung mit direktem Eigenverbrauch und Speicherung wird die Organisation des gesamten Wirtschaftslebens verändern. Bisher war Strom anonym, nun wird er zu einem Wirtschaftsfaktor für Normalbürger. Das bringt vor allem für die ländlichen Räume Deutschlands eine starke wirtschaftliche Belebung und echte Zukunftsperspektiven. 2011 flossen aus dem EEG in unseren Bundeswahlkreis 236 Mio. Euro, 6 Mio. Euro in die Stadt Ansbach, 65 Mio. Euro in den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und 165 Mio. Euro in den Landkreis Ansbach. Die Dauerhaftigkeit dieser Wertschöpfung hängt entscheidend davon ab, ob die vielen Kleinerzeuger ihre Strommengen zu einem verlässlichen Komplettangebot zusammenfassen, bei dem sich Sonne, Wind, Wasser und Biomasse unter dem Einsatz von Speichern gegenseitig ergänzen. Darin sehe ich in den kommenden Jahren eine meiner wichtigsten Aufgaben, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die kleinen Stromerzeuger auch nach dem Auslaufen der 20-jährigen EEG-Vergütung durch die Bündelung ihres Angebots auf dem Markt gute Strompreise erzielen können und wir eine dauerhafte Wertschöpfung aus Energie im ländlichen Raum erzielen.

Übermorgen, am 19. November, findet genau zu diesem Zweck in der Berliner Genossenschaftszentrale am Brandenburger Tor das erste Bundestreffen der Deutschen Energiegenossenschaften statt. Ich habe dieses Treffen initiiert, um den dezentralen Energieerzeugern eine Stimme in der Politik zu geben und um die politischen Rahmenbedingungen in der nächsten Koalition rechtzeitig zu beeinflussen.

Sicher haben die erneuerbaren Energien auch ihre Schattenseiten. Ich nenne als Beispiel die Konzentration auf Mais bei den Eingangsstoffen der Biogasanlagen und die Konkurrenzsituation innerhalb der Landwirtschaft. Sie bringen aber neue Chancen für Handwerk, Mittelstand, Landwirtschaft und Hauseigentümer. Das Leben auf dem Land bekommt eine neue ökonomische Basis. Zunehmend finden junge Leute auf diesem Sektor auch berufliche Perspektiven.

Die Stärkung ländlicher Räume ist gerade in Entwicklungsländern wichtig. Der Einsatz erneuerbarer Energien wirkt dort der totalen Verstädterung entgegen. Gerade unser Nachbarkontinent Afrika profitiert zurzeit sehr von Exportinitiativen deutscher Firmen zum Aufbau erneuerbarer Stromversorgung auf dem Land.

Mehr Eigenverantwortung, mittelständische Strukturen und breite Eigentumsstreuung, das sind unsere Grundwerte. Die Energiewende ist ein Projekt der Union. Es wäre der größte Fehler, es auf halbem Wege aus Zaghaftigkeit anderen politischen Strömungen zu überlassen, damit die dann die Früchte ernten.


Zukunftsregion Westmittelfranken

Beim Blick auf unsere Region fällt als erstes die stabile Beschäftigungslage auf. Seit mehreren Jahren liegen die Arbeitslosenzahlen rund 1 % unter dem bayerischen und 4 % unter dem Bundesdurchschnitt. Dabei hat die Summe der Beschäftigten noch um 4 % zugenommen. Der Grund für unsere Stabilität liegt im hohen Anteil familiengeführter Unternehmen und in der Kleinstruktur. 90 % unserer Unternehmen haben weniger als 20 Beschäftigte. Sie stehen meist nicht im Licht der Öffentlichkeit, aber sie bilden das Rückgrat unseres Wirtschaftslebens, weil solche Unternehmer sich mit höchstem persönlichem Einsatz engagieren.

Unser Problem ist allerdings, dass zahlreiche tüchtige junge Leute hier nicht den qualifizierten Arbeitsplatz finden, der ihrer Ausbildung entspricht. Nüchtern betrachtet sieht es so aus: Wir haben in diesem Wahlkreis einen Anteil von 5 % qualifizierter Arbeitsplätze, der Bundesschnitt liegt bei 11 %. Im Vergleich zu anderen ländlichen Räumen sind 5 % nicht schlecht, aber sie sind zu wenig für unsere Absolventen. Hoffnung kommt vom Trend der letzten zwei Jahre. Während die Gesamtheit der Beschäftigten um 4 % zunahm, stiegen die qualifizierten Arbeitsplätze um 7 %. Wir haben zum Beispiel in der Stadt Ansbach und den beiden Landkreisen inzwischen 208 Ingenieurbüros! Wir müssen am Ausbau qualifizierter Arbeitsplätze aber unermüdlich arbeiten. Es sind in letzter Zeit durchaus große Erfolge da. Ich nenne die Aufnahme des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in die 80 %-Förderung für den Breitbandausbau mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde, die Gründung der privaten Fachhochschule in Treuchtlingen, die Aufbruchstimmung in Wassertrüdingen mit sichtbaren Arbeitsplatzeffekten oder die Gesundheits- und Bildungsinvestitionen im Ansbacher Raum, die ebenfalls neue qualifizierte Arbeitsplätze bringen werden.

Der Bund hat in der vergangenen Legislaturperiode einiges getan, um den kommunalen Ebenen einen gerechten Anteil am wachsenden Steuerkuchen zu geben. So übernimmt der Bund stufenweise die soziale Grundsicherung. 2012  45 %, 2013  75 % und 2014  100 %. Das ist der Hauptgrund, warum der Bezirkstag jetzt über eine Umlagensenkung diskutieren kann, die dann den Landkreisen und Gemeinden mehr Spielraum verschafft. Der Bund beteiligt sich an den Investitionen für Kindertagesstätten und die Bundeszuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr werden 2014 nicht abgesenkt wie in der großen Koalition einstmals beschlossen.

Trotzdem kommt man bei der gerechten Finanzordnung in einem föderativen Staat nie ans Ende. Aktuelles Beispiel dafür ist die Krankenhausfinanzierung, die Abschläge für alle vorsieht, wenn Einzelne die Kosten überschreiten. Ich setze mich dafür ein, diese Kollektivhaftung aufzuheben, weil sie vor allem für die Kreiskrankenhäuser in ländlichen Räumen zu einer strukturellen Unterfinanzierung führt.

Ärger droht den Kommunen auch wieder einmal aus Brüssel. Mit der Richtlinie über Dienstleistungskonzessionen sollen sie gezwungen werden, Leistungen der Daseinsvorsorge wie Trinkwasserversorgung oder Rettungswesen regelmäßig an Private auszuschreiben. Das hatten wir schon mal! „Cross border leasing“ hieß das Verfahren, mit dem internationale Investoren Geld aus den Kommunen zogen. Nahezu alle diese Experimente endeten mit Verlusten für die deutschen Steuerzahler. Zu dieser Geldschneiderei kann es nur ein klares Nein geben. Der Städtetag hat bei seiner Ablehnung der Richtlinie meine volle Unterstützung.

Ich komme nochmal zurück auf die qualifizierten Beschäftigten. Natürlich ist der Arbeitsplatz der wichtigste Grund, ob sie dableiben oder zurückkommen, sich hier niederlassen und ihre Familie gründen. Alle erfolgreichen Regionen zeigen aber, dass das direkte Lebensumfeld dafür auch eine wichtige Rolle spielt. Es geht um kulturelle Angebote in der Nähe und um intakte Natur, die man ohne Auto in kurzer Zeit erreichen kann. Deshalb sind der behutsame Umgang mit dem Land und die Bewahrung von Freiräumen wichtige Erfolgsfaktoren in der Regionalentwicklung. Gerade hier regelt der Markt von sich aus nichts. Dinge wie Barrierefreiheit, Ehrenamtsbörsen oder die Erreichbarkeit der Nahversorgung mit dem öffentlichen Verkehr brauchen das aktive Tun der Kommunalpolitiker.


Vertrauen gewinnen

Damit bin ich bei den Wahlen 2013. Wir wollen im Wahljahr 2013 auf allen Ebenen hinzu gewinnen! Das wird nur gelingen, wenn die Bevölkerung spürt, dass die CSU-Leute sich um alles kümmern. Dass die CSU vor allem die Normalverdiener im Blick hat und die Partei der kleinen Leute bleibt. Dass die Mandatsträger verlässlich sind und nicht aufgeben bei Rückschlägen. Ich lasse hierzu das Beispiel der Bahnreaktivierungen im Hesselbergraum einfließen. Entscheidend ist auch, wie wir miteinander umgehen und welches Beispiel wir geben. Heute kann in der Politik niemand etwas allein durchsetzen. Ohne den Beschluss des Bezirkstages zum Beispiel, zur Übernahme der Betriebskosten des Limeseums Ruffenhofen von 40.000 Euro jährlich, wäre die Millionenförderung durch den Bund und das Land nicht möglich gewesen. So greifen die Rädchen ineinander und nur so werden wir erfolgreich.

Vieles, für das sich CSU-Mandatsträger vom Gemeinderat bis zum Minister einsetzen, bringt keinen besonderen politischen Lohn. Da sind etwa die vielen persönlichen Anliegen, in denen man leider nicht allen helfen kann. Da sind die vielen Infrastrukturprojekte, deren Schaffung von den Bürgern überall ganz selbstverständlich vorausgesetzt wird. Die beständige und absolut zuverlässige Kleinarbeit muss sein. Sie ist die Basis für fundiertes Vertrauen.

Für die kommenden Jahre im Bundestag sehe ich vier konkrete Ziele:

1.    Vollkommene Gleichstellung der Mütter mit Kindern vor 1992 bei der Rente.

2.    Die gerechte Rente für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, aber wegen geringer Entlohnung unter die Grundsicherung fallen.

3.    Die Bändigung der Finanzmärkte bis sie ihre Rettungsschirme komplett selbst finanzieren.

4.    Die Sicherung einer dauerhaften Wertschöpfung für unseren Raum aus erneuerbaren Energien.

In einem Berliner Kreis haben sich Abgeordnete zusammengeschlossen, die fragen, wo das konservative Herz der Union schlägt. Es schlägt zum Beispiel im Artikel 6 des Grundgesetzes, nach dem Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen. Es schlägt im Kampf gegen das Auseinandertriften von Arm und Reich. Es schlägt in der Bewahrung der Schöpfung.

Meine Erfahrung nach 40 Jahren Politik ist, dass es nicht darauf ankommt, welche Positionen man im Einzelnen erreicht. Der höchste Erfolg ist vielmehr, das freiwillig geschenkte Vertrauen der Menschen zu gewinnen und lange zu behalten. Dazu müssen die Leute spüren, dass wir dieses Land lieben, verlässlich sind und mit ihnen leben. Dafür haben wir wahrlich gute Beispiele in der CSU. An uns, den jetzigen Kandidaten, ist es nun, in diesem Geist an die Wahlen 2013 heranzugehen. Dafür bitte ich um Ihr Vertrauen.