Wird die Energiewende zurückgedreht?

In einem Brief an alle Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nimmt MdB Josef Göppel zu den angeblich durch die EEG-Umlage verursachten Strompreiserhöhungen Stellung.

Den Wortlaut des Schreibens an die Fraktionsmitglieder sowie zwei Grafiken finden Sie hier:

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Debatte über Strompreiserhöhungen lohnt es sich, einen Blick auf die Entwicklung der letzten zwölf Jahre zu werfen. Im Jahr 2000 betrug der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 14 Cent, bei einer EEG-Umlage von 0,2 Cent. Bis 2009 erhöhte er sich auf 23 Cent, obwohl die EEG-Umlage nur bei 1,3 Cent lag. Aktuell haben wir ein Verhältnis von 26 zu 3,6 Cent pro kWh (siehe Grafik “Haushaltsstrompreis und EEG-Umlage”). Der Großteil der Strompreiserhöhung fand also unbeeinflusst von der EEG-Umlage statt.

Demgegenüber sank an der Strombörse Leipzig innerhalb des letzten Jahres der Terminmarktpreis von 6,2 auf 5,0 Cent pro kWh (Grafik “Terminmarktpreis an der Strombörse”). Warum wird diese vom hohen Angebot Erneuerbarer Energien herkommende Senkung des Einkaufspreises nicht an die Stromkunden weitergegeben? Sind überhöhte Kapitalrenditen der Stromkonzerne, die bedient werden wollen, die Ursache?

Zweifellos müssen sich die Erneuerbaren Stromquellen mehr und mehr am Markt bewähren. Das ist nach dem Absinken sämtlicher EEG-Vergütungen unter den Haushaltsstrompreis auch möglich. Ihr an-und abschwellendes Dargebot passt aber nicht zu zentral gesteuerten Großstrukturen, sondern verlangt dezentrale, autonome Marktmodelle. Das kann beispielsweise die Zulassung rückwärtslaufender Zähler für solare Kleinerzeuger bis
10 kW sein. Ähnlich verhält es sich bei der unmittelbaren Versorgung Dritter durch Solaranalagen auf den Dächern großer Mietshäuser. Geschäftsmodelle zur Komplettbelieferung über das ganze Jahr haben sich in der Praxis bereits entwickelt. Schließlich brauchen wir einen zeitlich begrenzten Anreiz zum Kauf dezentraler Speicher, um netzbelastende Erzeugungsspitzen zu brechen und gleichzeitig die nutzbaren Jahresstunden zu verbreitern. In Japan wird dieser Weg nach der Revisionsabschaltung aller Kernkraftwerke in großem Ausmaß gegangen. Den viel diskutierten Kapazitätsmarkt darf es nicht nur für Kraftwerke geben, sondern jedes Unternehmen, das seinen Stromverbrauch auf Abruf drosseln kann, muss teilnehmen können.

Es ist möglich, die Energiewende zu einem wirtschaftlichen und damit auch sozialen Erfolg zu machen. Das ist dann unser Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen

Josef Göppel

 

Anlage:

Grafik "Haushaltsstrompreis und EEG-Umlage"

Grafik "Terminmarktpreis an der Strombörse"