Der letzte Öko der CSU

Er wurde oft belächelt, ignoriert, überstimmt: Der Bundestagsabgeordnete Josef Göppel hatte als Umweltpolitiker vor allem unter den Grünen Freunde. Nach den Wahlen im September zieht er sich zurück. Sein Fazit ist ernüchternd: Aus den Christsozialen sei eine Partei des Kapitals geworden

 

INTERVIEW von SEBASTIAN BECK  und CHRISTIAN SEBALD 
in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Juli 2017

Herr Göppel, wie oft sind Sie schon gefragt worden, ob Sie in der falschen Partei sind?

Josef Göppel: Regelmäßig. Für mich hat sich die Frage aber nie gestellt. Das hängt vielleicht mit der Beständigkeit unserer Familie zusammen. Die Göppels sind im oberen Altmühltal eine alte Kleinbauernfamilie, der erste Göppel ist 1582 an derselben Hofstelle genannt, die jetzt mein Bruder Franz bewirtschaftet, im Nebenerwerb. Wir haben ländliche Beständigkeit.

Sie selbst fühlen sich ja immer schon als Christlich-Konservativer.

Am letzten Sitzungstag des Bundestags, als auch über die Ehe für alle abgestimmt wurde, hatte ich noch einen bezeichnenden Wortwechsel mit Fraktionschef Volker Kauder. Ich habe gegen die Ehe für alle gestimmt. Zu Kauder sagte ich: In seinen Augen sei einer, der gegen die Ehe für alle stimmt, aber sonst konsequent für Ökologie ist, wohl ein schlechter Unionspolitiker. Diejenigen, die mit ihrer Familie Bruchlinien noch und noch haben, aber sonst feste Wirtschaftsvertreter sind, seien gute Unionsleute. Antwort Kauder: So ist es. Ein schlechter Unionsmann ist, wer zu oft gegen die Union stimmt. Sie hätten auch austreten können.

Das hat er wirklich gesagt?

Darauf hab' ich gesagt, ich bin geblieben wegen des C, wegen des Christlichen im Namen der Union, das für mich hohe Bedeutung hat. Außerdem vertrete ich die Grundwerte der Union und bin seit 1970 ihr Mitglied.

 

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